Schlachtfahrzeuge


Wenn Reparaturen am eigenen Auto anstehen und dafür Gebrauchtteile vom Schrottplatz oder aus dem Internet besorgt werden müssen,
lohnt sich relativ schnell der Kauf eines Teileträgers - gerade auch,
weil viele Teile für die älteren Modelle inzwischen weder ab Werk noch im freien Teilehandel beschafft werden können.
Eine sinnvolle Sache, wenn man z.B. mehr als einen Klassiker sein Eigen nennt
oder in einer Schraubergemeinschaft mit gleichgesinnten Markenkollegen Bedarfe bündeln kann.

Der Preis für ein Schlachtfahrzeug liegt meist irgendwo im Bereich zwischen null und ein paar hundert Euro,
je nachdem natürlich, wie begehrt das jeweilige Modell ist.
So wird sich ein Schlacht-Urquattro sehr wahrscheinlich nicht mehr auftreiben lassen,
einen Nullaussattter-Vergaser-Audi 80 gibt es dagegen (mit etwas Glück) auch schon mal für einen kleinen Schein.

Meist ist es daher kein Problem, für ein häufig gebautes Volumenmodell innerhalb von wenigen Wochen
an einen geeigneten und preisgünstigen Schlachtwagen zu kommen.

Natürlich gilt es darauf zu achten, daß bei dem auserkorenen Schlachtauto nicht genau dieselben Teile unbrauchbar sind
wie bei der eigenen "Baustelle" daheim - Stichwort: Schwachstellen der Baureihe?

Der deutsche Gesetzgeber sieht das Ausschlachten von Fahrzeugen allerdings als illegale Abfallbehandlung gemäß der
seit 19997 geltenden Altfahrzeug-Verordnung, nach der dies nur noch zertifizierten Verwertungsunternehmen gestattet ist.

Selbst Kfz-Werkstätten dürfen offiziell keine Altfahrzeuge für die eigene Ersatzteilgewinnung ausschlachten,
obwohl viele Firmen mit Ölabscheidern ausgerüstet sind und eine sachgerechte Demontage wie auch
die umweltgerechte Entsorgung von Betriebsflüssigkeiten sichergestellt wäre.

Auch legt sich inzwischen kaum noch ein Schrottplatz-Betreiber B2-Teile ins Lager, weil sich - bedingt durch den immer dünner werdenden Bestand
auf unseren Straßen - kaum noch Käufer für diese Teile finden.
Und Lagerplatz kostet jeden Verwerter Geld - daher werden diese Autos meist mitsamt ihres oft gut erhaltenen Innenlebens
direkt in die Presse gesteckt, ohne den "Umweg" über den für Schrauber zugänglichen Bereich des Schrottplatzes.
Auf dieselbe Stellfläche passt auch ein Unfall-Golf IV, an dem in der Hälfte der Zeit das Vierfache verdient werden kann.

Noch dazu genießen Oldtinmer-Schrauber unter den Schrottplatzbesitzern nicht den besten Ruf,
da sie sowohl über den Zustand der Teile als auch über eigentlich jeden aufgerufenen Preis nörgeln.

Wer also selbst ein Altfahrzeug zur Ersatzteilgewinnung zerlegen will, sollte dies nach Möglichkeit "unter Ausschluß der Öffentlichkeit" tun.
Zudem reagieren auch Nachbarn und Passanten nicht unbedingt erfreut, wenn tage- oder wochenlang ein halbzerlegtes Wrack auf dem Parkplatz steht.
Die meisten Normalbürger sehen hier vor ihrem geistigen Auge bereits literweise Öl, Benzin und (bestimmt) noch viiiiel gefährlichere Stoffe in den Boden sickern,
von der Verletzungsgefahr für spielende Kinder und der Diebstahlgefahr ganz abgesehen.
Das (anonym informierte) Ordnungsamt kann dann schneller auf der Matte stehen, als einem lieb ist - und dieser Besuch kann teuer werden.

Eine geschlossene, einigermaßen geräumige Garage oder Halle ist daher die Mindestvoraussetzung.
Zum An- und Abtransport des Fahrzeugs benötigt man in den allermeisten Fällen einen Autotransportanhänger,
der beim Anhängerverleih (oder auch der Stammwerkstatt) für vergleichsweise geringes Entgelt ausgeliehen werden kann.
Innerhalb einer Schraubergemeinschaft kann auch die gemeinsame Anschaffung eines solchen Hängers durchaus eine Überlegung wert sein.

Ein dichter, Öl- und Benzin-resistenter Untergrund ist dann von Vorteil, wenn der Garagenboden keine flüssigkeitsdichte
und leicht zu reinigende Oberfläche aufweist. Außerdem sollten Gefäße zum Auffangen und Entsorgen der Betriebsflüssigkeiten bereitstehen.
Es versteht sich von selbst, daß diese Flüssigkeiten -genau wie auch Altreifen - beim örtlichen Wertstoffhof entsorgt werden müssen
und nicht achtlos in den nächsten Gully gekippt werden dürfen !

Es ist sinnvoll, die ausgebauten Teile einzutüten und zu beschriften, damit auch später klar ist,
um welches Teil von welchem Fahrzeug es sich handelt.
Spätestens, wenn mehrere Wracks geschlachtet worden sind, wird es sonst sehr schnell unübersichtlich.
Zur Einlagerung empfehlen sich z.B. Bananenkisten (zusätzlich mit einem stabilen Karton als Boden versehen),
sie sind meist gratis zu bekommen, robust und gut stapelbar.

Der Zeitbedarf zum Zerlegen eines Fahrzeugs kann ohen Weiteres mehrere Tage betragen.
Wer gutes Werkzeug, entsprechende Erfahrung mit den Modell und vielleicht sogar noch über einen Helfer verfügt,
kann ein Fahrzeug auch durchaus an einem Arbeitstag bis zur Rohkarosse zerlegen, wenn keine Spezialwerkzeuge vonnöten sind.

Zeit- und Platzbedarf sind natürlich auch abhängig davon, ob wirklich auch das letzte Einzelteil ohne weitere Beschädigung
ausgebaut und eingelagert werden soll, oder ob nur bestimmte Baugruppen gebraucht werden
und der verbleibende Rest des Fahrzeugs entsorgt wird.

Sinnvollerweise beginnt man beim Ausbau mit den Hauben und Türen.
Erstens wird das Fahrzeug auf diese Weise besser zugänglich, zweitens verhindert man,
daß diese Teile im Verlauf weiterer Arbeiten beschädigt werden.
Weiter geht es mit Innenraum und Verkleidungen.

Anschließend kann man sich den "groben" Teilen wie Motor, Getriebe und Fahrwerk widmen.
Sollen auch die Achsen ausgebaut werden, macht es Sinn, bereits im Voraus den finalen Abtransport
der -dann nicht mehr rollfähigen- Restkarosse zu planen !
Eine komplett leere B2-Rohkarosse ist auch von 2 Mann nicht zu heben !

Beim Entsorgen (und evtl. auch der Abholung) der Reste ist der örtliche Verwerter des Vertrauens meist (gegen einen kleinen Obolus) behilflich.
Zur Beachtung: seit einigen Jahren nehmen die meisten metallverwertende Betriebe keine Autos mehr an.